News - Executive MBA HSG


10.05.2016

Der Global Executive MBA HSG als Business-Inkubator


Timo Hahn und Matthias Dörner wollen mit ihrer App wydr den Kunstmarkt Europa's demokratisieren. Die App funktioniert wie Tinder - mit einfachen Wischbewegungen entscheidet man ob einem das Bild gefällt oder nicht. Usprünglich entstand wydr in einem Kurs der Global Executive MBA der Universität St. Gallen, wo sie die beiden Gründer kennen gelernt haben.

 

Wir haben Timo und Matthias im IMPACT HUB Zürich getroffen und durften Ihnen ein paar Fragen zu ihrer Idee, der App, ihren bisherigen Erfahrungen im Start-Up-Umfeld stellen:

 

EMBA: Was ist die Idee von wydr? 

Timo & Matthias: Wydr ist ein offener Marktplatz auf welchem sich junge Künstler und Kunstinteressierte einfach und schnell finden können. Die Künstler können mit wenigen Klicks Ihre Bilder auf die Plattform hoch laden. Und die user auf der anderen Seite kriegen die Bilder genau wie bei Tinder angezeigt... Nach rechts wischen, wenn ein Bild gefällt und so die eigene Galerie aufbauen und vergrößern. Wenn ein Bild auch noch in die Wohnung passt, kann es gekauft werden. Für Künstler bieten wir eine grössere Reichweite und neue Kunden. Für Kunstinteressierte bieten wir ein breiteres Spektrum an Kunst, welches Sie sonst nur mit grossem Zeitaufwand entdecken könnten. Weltweite Lieferung, ohne Zusatzkosten.

 

Woher stammt der Name für euer Start-Up? 

Wydr ist eine Kunstform aus „white wall" und „Tinder".

 

Wer steht hinter wydr?
Timo Hahn und Matthias Dörner, zwei Ingenieure, welche sich beim Omnium Global Executive MBA der HSG kennen gelernt haben.

 

Wie entstand die Idee für euer Start-Up? 

Wir mussten für unseren MBA Kurs „Capstone - applied Innovation" pro Person 50 Ideen generieren. Wydr war dann eigentlich die Kombination aus den Aktivitäten, welche Matthias bei allen Modulen verfolgt hat, lokale Kunst suchen und Tinder benutzen. Für die verschiedenen Top Ideen haben wir verschiedene Tests und Experimente durchgeführt um zu evaluieren welche Idee das meiste Potential hat. Als es dann darum ging im Team von sechs Leuten eine Idee auszuwählen an der weitergearbeitet werden sollte, war dies wydr.

 

Matthias, woher kommt dein Ziel, seit jeher einmal ein eigenes Unternehmen zu gründen? Wie hat das euer Vorhaben beeinflusst? 

Ich hatte bereits mit 14 meinen Vater gefragt, ob er mit mir eine Firma aufmachen möchte... Dieser Drang hat mich auch einfach nicht mehr losgelassen und ist immer in meinem Kopf rumgegeistert. Mit Timo zusammen war die Entscheidung irgendwann sehr leicht zu sagen „jawohl, wir ziehen das durch".

 

 Timo Hahn und Matthias Dörner

 

Wann ist aus der Idee ein Start-Up geworden? 

Das war nachdem wir mit unserer Idee fasst den Kurs „Entrepreneurship" nicht bestanden hätten. Manchmal gibt's so Momente in den man denkt „jetzt erst recht" und „wieso könnt Ihr das Potential der Idee nicht sehen". Auf jeden Fall haben wir beide kurz danach unsere regulären Jobs gekündigt und zur Krönung auch noch das Startup Weekend gewonnen.

 

Welches waren die bisher grössten Herausforderungen für wydr? 

Die grösste Herausforderung ist es wahrscheinlich Geduld zu haben und einfach dran zu bleiben. Alles dauert immer länger als gewünscht und wenn man etwas nicht nur kopiert, sondern wirklich verändern möchte, läuft man öfters gegen Widerstände. Aber am Ende passt es dann doch. In manchen Belangen sind die Ergebnisse sogar viel besser als gedacht.

 

Timo, ist dein Leben vergleichbar mit dem von Elon Musk (keine Pausen, kein Urlaub, kein Essen - nur Arbeit) - oder wie bringst du einen Vollzeitjob, wydr und deine Familie unter einen Hut? 

Familie ist ja keine Arbeit, sondern Entspannung und Ausgleich. Vor viel Arbeit habe ich mich noch nie gescheut und Zeitmanagement war für mich eines der grössten Learnings im MBA. Wenn man an seine Idee glaubt, dann findet man immer Zeit dafür - sei es nach der Gute-Nachtgeschichte. Aber das Ziel ist es das wydr auch unsere Familien ernähren kann.

 

Was ist das Spannendste beim Arbeiten für euer Start-Up? 

Das Spannendste ist es das kein Tag wie der andere ist. Es kommt immer wieder eine Überraschung um die Ecke. Aber das, was einem von Tag zu Tag wieder neue Energie gibt, ist sicherlich das unglaublich positive Feedback, welches wir von unseren Usern kriegen.

 

In welchem Bereich fehlte euch bei der Gründung am meisten Knowhow und wie habt ihr euch dieses Wissen angeeignet? 

Naja, als MBA Student kann man ja alles und nichts... Wir mussten in jedem Bereich dazu lernen... Vor allem geht es um Priorisierung. Wir sind nur zu zweit und sollten doch alles gleichzeitig machen. Die Lean Startup Methoden haben uns weitergeholfen. Z.B. das Lean Meetup und auch das Startup Weekend in Zürich haben uns gezeigt, dass eine Idee oder ein Produkt nicht perfekt sein muss sondern getestet werden muss und am Feedback des Kunden weiterentwickelt wird. Was einfach klingt ist für viele ein grosses Hindernis. Zusätzlich haben wir das Glück auf ein riesiges Netzwerk zurückgreifen zu können. Wir sind jetzt schon seit Jahren in Zürich und beide nicht schüchtern. Viele unserer Freunde arbeiten in der Startup Szene. Und wenn wir Hilfe brauchen, sind sie für uns da.

 

Seit dem Abschluss des Omnium GEMBA HSG ist gut ein Jahr vergangen. Welche Erkenntnisse/Inhalte des Studiums könnt ihr besonders gut im beruflichen Alltag brauchen? 

Die beste Eigenschaft, welche wir aus dem Studium verwenden können, ist sicherlich das wir uns schnell und effektiv in ein neues Thema einarbeiten können. Ohne Angst vor Neuland, ohne Probleme jederzeit und überall zu arbeiten, und Dinge einfach voranzutreiben und abzuschließen.

 

Was ist euch vom Omnium GEMBA HSG besonders gut in Erinnerung geblieben? Was weniger? 

Die Mitstudenten - so viele Leute, welche eigentlich dasselbe Mindset haben, aber aus völlig unterschiedlichen Teilen der Welt kommen. Irgendwie findet man sich sofort und schliesst Freundschaften fürs Leben.
Die Mitstudenten - aber auf der anderen Seite ist es genauso wie früher im Militär, auch wenn man sich erst mal nicht grün ist, man sitzt dennoch im selben Boot und muss zusammen ans Ziel.

 

Was waren seinerzeit die Beweggründe, das Omnium GEMBA Studium zu absolvieren?
Damals waren die Beweggründe eher in dem Willen zu einer „Corporate Karriere" zu suchen. Als Ingenieur wird man in gewissen Themengebieten nicht ernst genommen, bis man eine Zusatzausbildung nachweisen kann. Also war der MBA ganz klar als ein „booster" für die Karriere gedacht.

 

Matthias, du bist farbenblind, aber trotzdem kunstfasziniert. Wie kommt das? 

Ich bin eher fasziniert von jeglicher Form der Kreativität. Ich hatte sogar meinen Bachelor in Textilmaschinenbau gemacht. Und auch die ersten ernsthafteren Firmenideen hatten mit dem Bereich Kreativität zu tun. Zwischen 2006 und 2007 hatte ich zum Beispiel mit der Idee eines sozialen Netzwerkes für Künstler oder aber einem Marktplatz für Jungdesigner (Textilien) gespielt.
Meine Farbschwäche ermöglicht mir eher einen „anderen" bzw. einen sehr persönlichen Zugang zur Kunst. Früher im Museum wurde ich immer vor ein Bild gestellt und es hiess „lass die Farben auf Dich wirken..." In meiner Jugend kam ich dann durch Skaten und Hip Hop zum ersten Mal mit Graffiti in Berührung. Damit konnte ich eher etwas anfangen, es waren klare Linien und starke Farben. Das war für mich sozusagen der Einstieg und das Interesse für Kunst hat mich danach nicht mehr losgelassen. Aber wie gesagt, ich habe da einen sehr persönlichen Zugang und Geschmack. Dies ist auch einer der Grundsätze von wydr: „Kunst liegt im Auge des Betrachters". Deshalb sind wir eine offene Plattform, welche nicht vorschreibt, was Kunst ist und was nicht.

 

Woher stammt eure Faszination für Kunst?
Ich bin eigentlich der typische Nutzer von Wydr. Ich mag Kunst und habe Gefallen daran und mich dadurch inspirieren zu lassen. Jedoch gehe ich sehr selten in eine Galerie. Es ist einfach nicht mein Umfeld. Daher suche ich Gallerien eher bei Auslandsreisen auf und habe auch die Bilder in meiner Wohnung auf reisen gekauft. Mit Wydr habe ich genau diese Auswahl von globalen Künstlern und kann es mir in ein Wohnzimmer liefern lassen.

 

Wie reagierte die Kunstszene auf eure App? 

Sehr positiv! Wir hätten eigentlich eher damit gerechnet, dass wir nicht wahrgenommen werden. Aber genau das Gegenteil ist der Fall: Sogar etablierte Player sind offen für unsere Idee. Wir hören auch immer wieder, dass wir sogar Thema bei Experten in der Branche sind.

 

Selbständig vs. angestellt: was sind Vor- und Nachteile, Timo? 

Das ist eher eine Typfrage.
Angestellt sein hat natürlich die Vorteile der Sicherheit, des regelmäßigen Einkommens und einer eher vorgegebenen typischen Corporate Karriere. Mit allen vo-r und Nachteilen die diese Struktur mit sich bringt.
Startup gibt einem alle Freiheiten und man kann sehr viel bewegen und verändern. Aber genau diese Freiheiten machen es für manche schwierig sich zu fokussieren. Weshalb ja auch das Zeitmanagement und die Priorisierung von Aufgaben unabdingbar sind.

 

Welchen Ratschlag würdet ihr zukünftigen Start-Up-Gründern mitgeben?
Just do it. Solange Ihr kein echtes Kunden-/Marktfeedback habt, wisst Ihr nichts.

 

Wie sehen die Zukunftspläne für wydr aus? 

Wir sind gerade dabei den Launch in Deutschland vorzubereiten. Wir sind zwar weltweit verfügbar, aber PR Aktionen sind dennoch für jeden Markt einzeln zu betrachten und durchzuführen. Die ersten Tests in der Schweiz waren erfolgreich und jetzt geht es darum nachhaltig zu wachsen und uns auch dafür entsprechend aufzustellen.

 

Vielen Dank für Eure Zeit und das ausgesprochen freundliche Gespräch,
Euer Executive EMBA HSG Team.