News - Executive MBA HSG


17.06.2015

International Management, Studiengang EMBA 45


47 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Executive-MBA-Studiengangs 45 reisten zum Schluss ihres Studienganges nach Südamerika, um sich vom 12. bis zum 23. April im Rahmen des Moduls „Internationales Management" vor Ort mit vielfältigen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Aspekten von „Doing Business" in Brasilien und Argentinien auseinanderzusetzen.

 

Die Einstiegsreferate zum Modulstart in São Paulo zeichneten ein Brasilien voller Kontraste. Die grösste Volkswirtschaft Lateinamerikas und die siebtgrösste der Welt verfügt über riesige Ressourcen, steigenden Wohlstand und entsprechend wachsenden Binnenkonsum. Dem steht ein unzureichendes Bildungssystem, Infrastrukturprobleme, Rechtsunsicherheit und Staatskapitalismus als hemmende Faktoren gegenüber. Eindrücklich waren vor allem die unterschiedlichen Perspektiven der Unternehmen, die wir besuchen durften. Da waren Schweizer Mittelständler, die über ihren Erfahrungen mit dem brasilianischen Verwaltungsdschungel berichteten; Novartis, die unermüdlich um die besten Talente kämpft; oder schlussendlich Globo TV, der TV-Monopolist Brasiliens, der uns die Produktion von Telenovelas einführte, einem gesellschaftlich relevanten Medienphänomen Brasiliens, der Trends zu setzen vermag.

 

Stefan Zweig meinte bereits 1941: „ Um die Stadt Rio de Janeiro darzustellen, müsste man eigentlich Maler sein, um São Paulo zu schildern, ein Statistiker oder Nationalökonom." Dieser Satz wird im Direktvergleich besonders erlebbar. São Paulo ist unbestrittenes Wirtschaftszentrum Brasiliens mit internationaler Ausstrahlung - eine chaotisch Metropole, die ständig wächst, die Kontraste zwischen Arm und Reich vor Augen führt und von Angehörigen der neuen Mittelschicht Brasiliens belebt wird. São Paulo eröffnet sich als Stadt der Kontraste und Möglichkeiten mit einem spröden Charme. Demgegenüber offenbart sich Rio de Janeiro mit einer beinahe paradiesischen Schönheit, eingebettet in eine tropische Hügellandschaft mit prächtigem Sandstrand.

 

Unser Besuch in Rio de Janeiro fand zwischen zwei sportlichen Grossereignissen statt, des FIFA World Cups 2014 und den Olympischen Spielen 2016. Besonders eindrücklich war eine Führung durch das Porto Maravilha Projekt. Es führt die städtebaulichen Implikationen eines Grossevents von globaler Ausstrahlung vor Augen und zeigt, inwiefern solche Projekte dazu verwendet werden, um das weltweite Image und die Reputation zu stärken. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Infrastrukturschub auch nach den Mega-Events anhält.

 

Der letzte Teil des Moduls „Internationales Management" führte nach Buenos Aires. Die argentinische Hauptstadt zeigte nicht nur den architektonischen und kulturellen Einfluss der europäischen Einwanderer, sondern machte die aktuelle wirtschaftliche Situation eines technischen Staatsbankrotts eindrücklich erlebbar. Neben dem formalen Wechselkurs zwischen dem Peso und dem US-Dollar zeigte der Schwarzmarktkurs eine andere Realität. Aufgrund der immens hohen jährlichen Inflationsrate von geschätzten 33 Prozent (offiziell 21,4%) und der steigenden Abwertungsangst gegenüber dem Peso, flüchtet, wer die Möglichkeit hat, in den Dollar. Daraus ergaben sich Schwarzmarktkurse von 12 bis 15 Peso für einen US-Dollar. Diese Erfahrungen machten den Alltag in einer Wirtschaft erlebbar, in der das Vertrauen in die Regierung schwindet, das öffentliche System zu implodieren droht und die Währung die Funktion des Wertaufbewahrungs- und Zahlungsmittels nur eingeschränkt erfüllen kann. Neben den kulturellen und kulinarischen Höhepunkten waren diese Erlebnisse die Prägenden unseres Aufenthaltes in Buenos Aires.

 

Zusammenfassend bleiben Einblicke in fremde Wirtschaftsräume und Kulturen Lateinamerikas. Was wir aus unseren Besuchen in São Paulo, Rio de Janeiro und Buenos Aires mitnehmen konnten, war der flexible Umgang mit Unsicherheit, die Fähigkeit, rasch Optionen zu erkennen und umzusetzen und weniger auf optimale Lösungen hinzuarbeiten.

(Markus Seitz, EMBA HSG)