News - Executive MBA HSG


25.06.2014

Interview mit Michael Herzig, Alumni EMBA HSG, Studiengang 30


Bis Ende Juni 2014 Leiter der Drogenhilfe der Stadt Zürich und Vizedirektor der Sozialen Einrichtungen und Betriebe Zürich. Als solches verantwortlich für die Führung von 12 sozialmedizinischen Einrichtungen für psychisch Kranke, Drogenabhängige und sozial desintegrierte Personen. Ausserdem Musiker, Autor von Kriminalromanen sowie verschiedenen Kurzgeschichten und Artikel. Ab 1. Juli 2014 Time-Out, ab 1. November 2014 Teilzeit-Geschäftsführer einer privaten Non-Profit-Organisation sowie freischaffender Autor.


Wenn man Ihren sehr bunten Lebenslauf liest, würde man nicht zwingend darauf kommen, dass Sie obendrauf noch den Executive MBA HSG absolviert haben, da dieser stark auf Management Aufgaben ausgerichtet und nicht so sehr auf künstlerisch und soziale Themen fokussiert ist. Was hat Sie seinerzeit bewogen, den EMBA HSG zu absolvieren?

Die Leitung einer Organisationseinheit mit 12 sozialarbeiterischen und medizinischen Einrichtungen, über 200 Mitarbeitenden, einem Klientel, das niemand gerne in seiner Nachbarschaft sieht, und einem Katalog an Themen, von denen mindestens eines immer auf dem Radar der Medien ist, bezeichne ich durchaus als eine ernst zu nehmende Managementaufgabe. Aber mir ist es damals in St. Gallen tatsächlich auch passiert, dass mich ein Kommilitone gefragt hat, warum ich denn einen Executive MBA machen wolle, schliesslich arbeite ich ja im Sozialbereich. Nun: Ich habe den EMBA HSG absolviert, weil ich meinen Horizont erweitern wollte. Dieses Ziel hätte ich mit einer Non-Profit-Management-Ausbildung nicht erreicht.


Herr Herzig, seit dem Abschluss des EMBA HSG sind 6 Jahre vergangen, welchen Mehrwert ziehen Sie auch heute noch daraus und aus welchem Modul konnten Sie den grössten Nutzen ziehen?

Das Modul ‚Strategische Management‘ hat mir am besten gefallen und lag mir persönlich am nächsten. In diesem Bereich sind die Unterschiede zwischen profitorientierten und Non-Profit-Organisationen auch weniger gross als beispielsweise in finanzwirtschaftlichen Fragen, bei denen ich dafür am meisten dazu gelernt habe.


Laut Ihrer Biografie sind Sie oder waren Sie: u. a. Autor, Sozialarbeiter, Plattenverkäufer, Rockmusiker, Musikjournalist. In welcher Rolle steckt am meisten Herzblut von „Michael Herzig" und in welcher „Epoche" haben Sie sich am unwohlsten gefühlt?

Am liebsten arbeite ich kreativ und denke „out oft he box". Beim Schreiben und Musikmachen gehört das sowieso dazu. Aber es geht auch im Management: In meinen 16 Jahren bei der Stadt Zürich haben wir Experimente gewagt, die zunächst belächelt und massiv kritisiert wurden. Aber einige davon gelten heute als Innovationen. Teilweise wurden sie von anderen Städten kopiert, teilweise konnten wir unser Know How verkaufen. Darum ist mein Vorgehen in den verschiedenen Tätigkeitfeldern gar nicht so verschieden: Wenn ich einen neuen Roman plane, spielen strategische Marketingüberlegungen eine Rolle, und wenn ich eine Geschäftsstrategie konzipiere, baue ich kreativ-chaotische Vorgehensschritte ein, um auf ungewöhnliche Ideen zu kommen.


Wir leben in einer schnelllebigen Gesellschaft in der ein Überkonsum stattfindet, worin sehen Sie die grössten Gefahren und durch welche Lebensweisheit finden Sie zu innerer Ruhe und der notwendigen Work-Life-Balance?

Die grösste Gefahr liegt im linearen Denken. Im Lauf der Geschichte haben schon einige Gesellschaften ihre Existenzgrundlage zerstört und es sind auch schon Zivilisationen untergegangen. Wir sind also nicht die ersten, die die Welt, so wie wir sie kennen, aufs Spiel setzen. So viel zu ihrer ersten Frage, die zweite hat damit aber wenig zu tun: Meine innere Zufriedenheit finde ich dadurch, dass ich versuche, meine verschiedenen Interessen und Fähigkeiten produktiv umzusetzen und mich nicht einer einzigen Logik unterwerfe. Darum ist für mich der Begriff „Work-Life-Balance" vollkommen inhaltsleer, das Leben ist immer ein Balanceakt.


Wenn man die Themen Ihrer erfolgreichen Romane sieht, findet man Themen wieder, die sich in Ihrer Vita wiederspiegeln. Wann dürfen wir den ersten EMBA HSG Krimi erwarten?

Sie glauben gar nicht, wie viel ich in meinen Krimis bereits verwendet habe von dem, was ich im EMBA HSG gelernt habe. Die organisierte Kriminalität und die Wirtschaft funktionieren nach ähnlichen Prinzipien, nur die Regulatoren unterscheiden sich (teilweise). Entsprechend fliessend sind die Grenzen manchmal. Diese Grauzone ist das, was mich interessiert. Darum finden Sie in meinen Krimis keine psychopathischen Serienkiller, sondern Täter, die innerhalb einer gewissen Systemlogik funktionieren.

(Mehr von Michael Herzig: www.michaelherzig.ch)