News - Executive MBA HSG


10.12.2013

Modul 'International Management' EMBA 42


Vom 14. Oktober bis 24. Oktober 2013 fand im EMBA 42 Studiengang das Modul 'International Management' in China statt.

Erfahren Sie mehr über die Erfahrungen und Eindrücke welche die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in diesem besonderen Modul sammeln konnten. 

Ein Reisebericht von Alexander Albler:

 

Das Ankommen und Abreisen
Viele von uns (mich eingeschlossen), die nur ganz wenig oder gar keine Erfahrung mit der Volksrepublik China hatten, waren durchaus von gemischten Gefühlen durchzogen. Woran denkt man bei China (außer Chop-Suey, Stäbchen & Co)? Doch auch an Kommunismus, Kontrolle, Militarisierung und vielleicht auch einen fehlenden Blick auf den Menschen. Umso mehr verwundert waren wir von der Professionalität der chinesischen Behörden bzw. der Flughafenorganisation. Selbst bei der Passkontrolle oder beim Zoll erhält man ein freundliches Lächeln. Die Abwicklung ist zügig und gut organisiert, überall gibt es die Möglichkeit, „complaints" einzureichen. Ich denke, jeder von uns wurde in den „westlichen" Ländern schon weitaus schlechter oder langsamer behandelt.

 

Die Städte
China hat mehr als 1000 Städte mit einer Einwohneranzahl von mehr als einer Million. Die EMBA Gruppe hat (nur) zwei davon besucht: Peking und Shanghai. Hier lernt man auch eine wichtige Lektion: China ist nicht so homogen wie wir immer glauben. Peking ist eine Stadt mit großer Vergangenheit, das politische Zentrum, aber nicht unbedingt DER Ort, wo das Leben pulsiert. Shanghai im Kontrast dazu empfindet der westliche Besucher gleich als weitaus „heimatlicher". Die gesamte Stadt ist (auch durch den Einfluss der „Konzessionen") westlicher angelegt. Ein weiterer (sehr merkbarer) Unterschied liegt auch in der Luftqualität. Peking leidet an einer außerordentlich starken Luftverschmutzung, die nicht nur in der Lunge merkbar sondern auch mit dem bloßen Auge als „Nebel" sichtbar ist. Beeindruckt haben uns in Peking die Dimensionen: Größter Platz der Welt, größter Palast der Welt, usw. Hier wird dem Besucher klar, dass China einmal Weltmacht war und wieder Weltmacht sein wird und will. Shanghai auf der anderen Seite explodiert in wirtschaftlicher Dynamik. Hier kann das Wirtschaftswunder China gefühlt werden.

 

Der Begleiter Dr. Urs Schöttli
war für uns sicher der größte Gewinn. Dr. Schöttli ist nicht nur Asien-Korrespondent der Neuen Züricher Zeitung sondern lebt auch schon mehr als 30 Jahre in der Region. Es existiert im deutschsprachigen Raum ein bekanntes Sprichwort, wo es um die Signifikanz des Umfallens eines Fahrrades in China geht. Nun, es mag vielleicht nicht die breite Masse interessieren, Dr. Schöttli wäre wahrscheinlich schon darüber informiert. Mehr als einmal beeindruckte er uns mit seinem unglaublichen historischen, wirtschaftlichen und soziokulturellen Detailwissen über Asien im Allgemeinen und die Volksrepublik China im Speziellen.

 

Die Unternehmen
Die Reisegruppe EMBA42 hat insgesamt drei Unternehmen in unterschiedlichen Branchen besucht. ABB China, wo wir lernen durften, worin die wirtschaftlichen Vorteile eines Joint-Ventures zwischen westlichen und chinesischen Firmen liegen. Danach waren wir von der schieren Größe des Betriebsgeländes der Baosteel Group sehr beeindruckt. 30 Millionen Tonnen Stahl pro Jahr ist ein respektgebietender Output. (Im Vergleich dazu liefert die VOEST in Österreich 100.000t p.a., wie der nette Mitarbeiter von Baosteel sofort mitteilte.)
Sicherlich die professionellsten Erfahrungen konnten wir bei der ITK Firma HUAWEI gewinnen. Organisation des Besuches, Räumlichkeiten, Vorbereitung sowie last but not least die Technologien themselves sind zumindest auf dem Niveau europäischer/amerikanischer Unternehmungen, wobei in verschiedenen Bereichen HUAWEI die westliche Konkurrenz hier wahrscheinlich schon überholt halt. Insgesamt konnte der noch immer bei vielen vorherrschende Eindruck korrigiert werden, China sei ein reines Niedriglohn-Land für Auftragsfertigungen aus dem Westen.

 

Die Kultur(frage)
Die chinesische Kultur bzw. die Unterschiede zu europäischen/westlichen Kulturen standen im Mittelpunkt vieler Diskussionen und waren auch schlussendlich mehr als einmal ein Thema in den Gruppenarbeiten zum Abschluss des Moduls.
Je nach Gesprächspartner wurde dieser Unterschied sehr unterschiedlich beurteilt, mal als groß und beinahe unüberbrückbar bis zu ähnlicher der europäischen Kultur als die amerikanische Lebensweise waren praktisch alle Positionen vertreten. Auch in so zentralen Fragen wie der Wichtigkeit von „Beziehungen" bzw. „Netzwerken" oder Korruption gab es ganz unterschiedliche Sichtweisen. Ich persönlich habe zwei Dinge aus diesen Diskussionen mitgenommen: Erstens, China ist nicht gleich China. Die Shanghaier Bevölkerung unterscheidet sich in ihrem Verhalten von Bewohnern aus Peking sehr stark und auch diese beiden unterscheiden sich wiederum sehr klar von anderen Provinzen. Zweitens, sich nicht zu stark von westlichen „Horror-Stories" beeinflussen zu lassen. Es existieren derartig unterschiedliche Erfahrungen, dass es offensichtlich vom Gegenüber abhängt. Nicht anders als bei uns im Westen.

 

Die Menschen
1,4 Millarden Chinesen ist eine unüberschaubare Zahl. 7 Millionen Chinesen alleine im inneren Teil von Shanghai machen die Anzahl etwas leichter darstellbar, in einem Teil einer chinesischen Stadt wohnt die ganze Schweiz oder der Großteil von Österreich. Es war interessant für uns zu erfahren, dass sich mit der Ausnahme einer relativ geringen Anzahl von Minderheiten „alle" Chinesen als Teil der großen Gruppe der Han-Chinesen fühlen. Selbst chinesischstämmige Auswanderer in anderen Teilen Asiens oder im Westen empfinden sich als Teil dieser selben Gruppe.


Meine sehr persönliche Einschätzung ist, dass Menschen aus dem Westen relativ leicht dazu neigen, Menschen chinesischer Abstammung zu unterschätzen. Die sehr zurückhaltende Körpersprache, Form und Ablauf von Präsentationen sowie auch der Kleidungsstil können schnell auf eine falsche Fährte führen.

 

Die Politik
Politik war kein explizites Thema der Studienreise, trotzdem war sie praktisch allgegenwärtig. Wir wurden von Dr. Schöttli in die komplexen Zusammenhänge zwischen der beherrschenden Philosophie Konfuzianismus und dem kommunistischen System heute eingeführt. Interessant war es auch zu erfahren, dass China mit ähnlichen Herausforderungen wie der Westen kämpft: Überalterung der Gesellschaft, Wirtschaftswachstum (wenn auch auf einem anderen Niveau!), Umweltschutz und Sicherheit der Lebensmittel/Bedingungen sowie die Definition einer internationalen Rolle.
Der entscheidende Unterschied liegt im Weg der Entscheidungsfindung sowie in der Form der Kommunikation. Hier wurde im informellen Kreis recht hitzig über die Vor- bzw. Nachteile beider Systeme diskutiert.

 

Der Take-Away
Jeder der Gruppe wird wohl sein eigenes Take-Away von der Reise gefunden haben. Für mich hat sich in meinem Denken sicherlich einiges verschoben, weg von Europa in Richtung Asien. Auch konnte ich in nur zwei Wochen von einigen Stereotypen über China und seine Menschen Abschied nehmen.
Allgemein gilt:
China kann, darf und soll man nicht ignorieren wenn man im 21. Jahrhundert erfolgreich sein will.


Der Dank
Der Dank der gesamten Gruppe für die exzellent organisierte Reise gebührt Dr. Schöttli, den beiden chinesischen Reiseführern „Martin" und „Ding" und im Speziellen Dr. Markus Seitz und Gesa Jürgens. Das Modul „Internationales Management" ist sicherlich ein (für mich der) Höhepunkt des EMBA an der Universität St. Gallen.